Wenke Ji

Blog

6 Pillars of Bhakti

Die Essenz der Werte, die wir im Bhakti Yoga kultivieren möchten und in unserem Alltag leben wollen, egal mit wem wir in Kontakt treten:

1. I will not criticize

Wir Menschen neigen dazu ständig alles zu bewerten, nicht zuletzt einander. Nicht zu kritisieren bedeutet nicht, immer einer Meinung mit den Menschen in unserem Leben zu sein. Es bedeutet anzuerkennen, dass jeder mensch seine persönliche Wahrheit hat und diese zu respektieren und eben nicht zu kritisieren. Bevor du das nächste mal jemanden kritisierst, sei achtsam: bist du wirklich in der Position über andere zu richten? Du hast das Recht eine andere Meinung zu haben aber hast du wirklich das Recht jemanden zu verurteilen? Nicht selten nutzen wir die Kritik an anderen dazu uns nicht mit unseren eigenen Themen zu beschäftigen. Habe ich in dem Bereich, den ich da gerade kritisiere tatsächlich der Weisheit letzten Schluss erkannt und lebe ich ihn bereits? Zuletzt achte mal darauf, warum du in Wahrheit kritisierst. Versuchst du zu helfen oder versuchst du – ganz ehrlich- bloss deine Überlegenheit zur schau zu stellen? Ich weiss, das können brutale Fragen sein die radikale Ehrlichkeit mit uns selbst verlangen. Versuchs mal. Sei ganz ehrlich zu dir selbst: Wann geniesst du im kritisieren deine gefühlte (vielleicht sogar eingebildete?) Überlegenheit und wann versuchst du tatsächlich zu helfen? Wenn du beginnst diese Achtsamkeit zu üben bevor du das nächste mal jemanden kritisierst, wirst du feststellen, dass es eigentlich gar nichts an anderen zu kritisieren gibt. So geht und ging es mir jedenfalls. It’s a work in progress, Ich erinnere mich jeden tag daran.

2. I am tolerant

Ich kann mich noch gut an den Moment in Indien erinnern, als ich das mit der Toleranz wirklich verstanden hab. Meine Unterkunft im Govardhan Ecovillage, dem Ashram in dem ich Bhakti yoga Philosophie studiert habe, war eine art Bungalow mit „Wänden“ wie bei einem Zelt. Es war also nicht sonderlich gut isoliert – weder gegen wärme noch gegen Lärm. Ich hatte einen 18 Stunden Tag hinter mir und bin um 21 Uhr totmüde ins Bett gefallen – das war genau der Moment, in dem im benachbarten Ort ein Strassenfest begann. Es wurde lauthals gesungen und ausgelassen getanzt – im ersten Moment hatte ich geglaubt mich von meiner wohlverdienten Ruhe verabschieden zu müssen. Dann fiel mir der Satz wieder ein, den wir in der Früh besprochen haben: ich bin tolerant. Toleranz bedeutet, sich von nichts was im aussen lapidar gesagt „nervt“ aus der ruhe bringen zu lassen. Egal wie laut die Kinder , wie anstrengend die Kollegen sind, egal ob es draussen heiss oder kalt ist – wir sind eingeladen die Umstände zu tolerieren und in uns zu ruhen.

Das spiel können wir sogar so weit treiben, dass du dir deinen frieden nicht ein mal von den Erlebnissen im Innen nehmen lässt. Ich bemühe mich also Dinge wie meinen Hunger oder eventuell sogar Schmerz zu tolerieren und ausgeglichen zu bleiben. It’s a biggie, i know. Damit meine ich übrigens nicht, dass du diese Dinge übergehst – sondern lediglich dass du sie ein bisschen besser zu ertragen lernst und deine Ausgeglichenheit nicht darunter leided.

Wenn wir also Toleranz gegenüber allem praktizieren können wir Stück für stück ein bisschen friedlicher werden. Was meinst du? Bist du tolerant? Was brauchst du um toleranter sein zu können? Ich bin dann in Indien übrigens ganz entspannt eingeschlafen und hab mich auch nicht davon irritieren lassen, als es in der nacht plötzlich eiskalt wurde. Hab mir einfach mehr angezogen und mich in meiner Toleranz geübt.

3. I take no offense. I forgive immediately and completely.

Ich fühle mich nicht angegriffen. Ich vergebe sofort und komplett.

Wie oft nimmst du Dinge persönlich? Vielleicht zu persönlich? Ich fühle, dass wir uns selbst sehr viel Leid zufügen, wenn wir uns durch die Taten anderer Menschen angegriffen fühlen. Gleichzeitig geben wir dem was andere Personen uns antun viel mehr Macht, als wenn es uns gelingt, eine verletzende Tat schnell zu vergeben. Weisst du was ich meine? Ich habe oft erfahren, dass ich selber am meisten leide wenn ich allzu lange grantig bin Wegen dem, was Person xy getan hat. Nicht beleidigt zu sein wegen dem was andere Menschen tun oder sagen bedeutet auch zu verstehen, dass die Worte und taten der Menschen dir gegenüber meistens sehr wenig bis gar nichts mit dir zu tun haben sondern widerspiegeln, was im Inneren des anderen Menschen vor sich geht. Du wirst von deiner Freundin angelogen? Ok – das hat nichts mit dir zu tun. Es öffnet (wenn du magst) dein Herz dafür zu erkennen, dass deine Freundin Angst davor hat die Wahrheit zu sprechen weil sie in ihrem Leben vielleicht erfahren hat, das ihre Bezugspersonen sie nicht so annehmen können, wie sie wirklich ist. Dein freund kommt schon wieder zu spät zu eurer Verabredung, stiehlt dir gefühlt damit deine Zeit und du wirst wütend? Versuch dir anzuschauen, was dahinter steckt: vielleicht hast du das Gefühl nicht wertgeschätzt zu werden wenn man dich warten lässt. Anstatt wütend zu sein kannst du dies kommunizieren und evtl bessert sich in puncto Pünktlichkeit etwas. Oder auch nicht – dann nimm die Unpünktlichkeit deines Freundes an und nutz die 15min das nächste mal für was auch immer. Sieh die Zeit als Geschenk und mach etwas daraus.

Mich angegriffen und beleidigt zu fühlen bringt mich da nicht weiter. Ich übe mich stattdessen in Mitgefühl für meine eigenen Emotionen und für die Emotionen der Person mir gegenüber.

4. I am quick to apologize

Ich entschuldige mich schnell! Ich bemühe mich wirklich sehr darum, achtsam zu sein. Und dennoch: manchmal plapper ich einfach dummes Zeug. ich weiss auch nicht warum, aber ich hab meine Zunge nicht immer unter Kontrolle. Noch schlimmer: ich tue und sage Dinge, die andere Menschen verletzen oder vor den kopf stossen. Ich ruf meine mama nicht an obwohl ich es gesagt hab. Ich nehme mir nicht die zeit meiner besten Freundin zu schreiben, wann ich Zeit für unser Treffen hab. Ich streite mich mit meinem Mann und sage genau die Dinge, von denen ich weiss, dass sie ihn treffen. Ich…da sind tausend Dinge an mir, die weit weg von Unfehlbarkeit sind. Und ich bin mir all dieser Dinge bewusst, ich weiss dass ich nicht perfekt bin. Also entschuldige ich mich. Sofort. Ich muss nicht im Recht sein – das war eine Lektion, die mein Ego nur langsam verstanden hat. Heute weiss ich, dass ich mich früher aus Angst vor Verletzlichkeit nicht schnell entschuldigen konnte. Ich war nicht bereit für diese Zartheit die entsteht, wenn ich zugebe, etwas falsch gemacht zu haben. Heute lieb ich diese Seite an mir. Meine Fehler anzuerkennen und liebevoll zu umarmen, ok mit ihnen zu sein und mich schnell zu entschuldigen gehört heute zu einer meiner Superkräften.

5. Find the good in others and let them know it

Ok, das ist easy oder? Anderen menschen Komplimente machen ist eines meiner Lieblingshobbies. Bei meinen liebsten ist das natürlich leicht. die Challenge ist es, bei den menschen die mir unsympathisch sind, mit denen ich Konflikte habe, die unfreundlich zu mir sind,…genau hinzusehen und trotzdem etwas Schönes, etwas Gutes an ihnen zu entdecken. Hinter die Fassade zu blicken. Weisst du wie cool es ist, wenn du den unfreundlichsten Menschen mit einem Kompliment begegnest? Es gibt wenig, dass die Menschen so sehr entwaffnet wie ein ehrlich gemeintes Kompliment mit einem Lächeln auf den Lippen und aus dem Herzen überreicht. Ich mach mir da inzwischen ein Spiel draus. Jede Person – ich bin ehrlich, fast jede Person –  mit der ich in meinem Alltag in Kontakt komme bekommt ein Kompliment von mir. Ich liebs wie sich dann plötzlich die Gesichtszüge der Menschen verändern und ich für einen kurzen Moment ein Strahlen in ihren Augen erahnen kann. Ausserdem lernen ich so meinen blick zu schulen und darauf zu schärfen, dass wirklich jede Person schön ist. Dass es an jeder Person etwas liebenswertes gibt. Das ist die Haltung mit der ich leben mag und die ich mir für uns alle wünsche.

6. I am thankful and keep a tally of my blessings

Dankbarkeit. Einer der Gamechanger überhaupt! Wie ich dankbarkeit in mein leben integriere: zu jedem Neumond schreibe ich eine Dankbarkeitsliste an 108 Dingen, für die ich dankbar bin. 108 klingt viel? Versuchs mal! Ich bin mir sicher (!) du kannst die Liste vervollständigen. Das können kleine Dinge wie der Daffee am Morgen bis hin zu grossen Themen wie die Liebe in deinem Leben sein. Jeden morgen wenn ich aufwache, bevor ich aufstehe und noch mit geschlossenen Augen, bin ich dankbar für den neuen tag. Jedes mal bevor wir mit dem Essen beginnen schliessen wir die Augen, sprechen ein Gebet und bedanken uns bei der erde für die Nahrungsmittel und bei allen Menschen, die daran beteiligt waren, dass wir ein Essen am Tisch stehen haben. Ich bin dankbar für die schwierigen Situationen und Menschen in meinem Leben – ich darf jedes mal an ihnen wachsen und etwas Neues dazu lernen. Ganz besonders dann, wenn ich spüre ich hab einen schlechten Tag nehme ich mir Zeit, setze mich hin und schreibe 5-10 Dinge auf, für die ich in dem Moment dankbar bin. Dankarkeit darf mit allen anderen Gefühlen zusammen da sein. Du kannst dankbar sein und gleichzeitig müde, ängstlich, traurig, wütend, einsam usw. Es geht nie darum, irgendetwas wegzuschieben oder zu ignorieren. Ich sitz dann also da und geh echt tief und fühle wie wundervoll es zum Beispiel ist, dass alle Menschen in meiner Familie gesund sind. Wenn ich mich da so hinein fühle, ändert sich was in meiner Energie. Der Tag wird dann vielleicht nicht leichter, aber meine Einstellung ihm gegenüber ändert sich.